Museen im Landkreis Tirschenreuth

Von Hosenlosentagen und Hitzemonaten

Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum

„Sozialkunde“ und „Umweltbildung“ per Kalenderblatt: Das aufklärerische Experiment des „französischen Revolutionskalenders“ 1792/93 bis 1805

Es war ein gewaltiger Kraftakt, den es im späten 18. Jahrhundert für die junge Französische Republik zu stemmen galt: Gleichermaßen rationell wie rational sollte das staatliche und gesellschaftliche Leben fortan neu geordnet werden. Einheitliche, einprägsame und leicht zu handhabende Maßeinheiten, die sich durchweg auf die Natur als Ursprung und Inbegriff aller vernünftig-gesetzmäßigen Ordnung bezogen, gehörten zu den Werkzeugen, die den Weg dorthin bahnen sollten.

Zu diesen bewusstseinsbildenden „Maß“nahmen zählte auch der „Kalender der Franzosen“, der ab 1793 für zwölf Jahre den Rahmen für das Alltagsleben setzte. Den Respekt vor Natur und Arbeit, Freiheit und Gleichheit sollte er im Denken und Handeln der „mündigen Bürger“ verankern helfen: Doch letztlich scheiterte er trotz seiner Zweckmäßigkeit und Schönheit nicht nur an tiefverwurzelten Gewohnheiten des Volkes, sondern gerade auch an seiner überanspruchsvollen Rationalität – ohne indes in und außerhalb Frankreichs je völlig vergessen worden zu sein.