Museen im Landkreis Tirschenreuth

"Wege durch Zeit & Seele" von Ernst Umann

Sonderausstellung im Museum Mitterteich mit Gemälden zwischen Oberpfälzer Sagen, Meditation und Jahreskreis

Mit der Sonderausstellung „Wege durch Zeit und Seele – zwischen Oberpfälzer Sagen, Meditation und Jahreskreis“ präsentiert das Museum Mitterteich vom 20. März bis 7. Juni 2026 Werke des Künstlers Ernst Umann aus Neustadt an der Waldnaab. Die Ausstellung verbindet regionale Überlieferung, Naturerfahrung und zeitkritische Gegenwartsfragen zu einem eindrucksvollen künstlerischen Parcours.

Ein erster Schwerpunkt widmet sich den Sagen der Oberpfalz. Zwölf Sagenbilder greifen die besondere, mancherorts mystische Atmosphäre unserer Region auf – mit ihren Granitblöcken, dunklen Fichtenwäldern und stillen Weihern. Seit Jahrhunderten beflügeln diese Landschaften die Vorstellungskraft der Menschen und finden ihren Ausdruck in zahlreichen Erzählungen. Umanns malerische Werke berichten von übernatürlichen Kräften, von der Suche nach Sinn und vom Glauben daran, dass es Orte gibt, an denen sich der Schleier zwischen Zeit und Ewigkeit zu lüften scheint.

Ein weiterer Themenbereich folgt dem Jahreskreis. Vier großformatige Gemälde – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – stehen für Aufbruch, Reife, Wandlung und Rückzug. Ergänzt durch Gedichte von Rainer Maria Rilke, Eduard Mörike, Theodor Fontane sowie Johann Wolfgang von Goethe entsteht ein Dialog zwischen Malerei und Poesie.

Im mehrteiligen Bildzyklus QUO VADIS (Lateinisch für: Wohin gehst du?) richtet sich der Blick schließlich auf die Herausforderungen unserer Gegenwart. Themen wie Macht, Gier, Umweltzerstörung, digitale Manipulation, soziale Ungleichheit und die Würde des Menschen werden eindringlich reflektiert. Der Künstler stellt dabei unbequeme Fragen nach Verantwortung und Zukunftsfähigkeit der Menschheit.

Ein besonderer Bestandteil der Ausstellung ist der Meditationsweg mit sieben Stationen. Inspiriert von der spirituellen Tradition der Region, unter anderem rund um die Schallerkapelle und die Wallfahrtskirche St. Felix in Neustadt an der Waldnaab, führt er thematisch von der „Quelle des Lebens“ über die Lebensstufen des Menschen bis hin zur Frage, was am Ende bleibt. Themen wie Wasser als Ursprung allen Lebens, Begegnung in einer digitalen Welt, ökologische Verantwortung und die Endlichkeit des Daseins werden künstlerisch entfaltet. Der Weg soll keine religiöse Belehrung sein, sondern eher eine Einladung zur Selbstreflexion, ein Rahmen der Stille inmitten einer von Beschleunigung und Informationsflut geprägten Welt.

Trotz aller kritischen Fragestellungen versteht sich die Ausstellung nicht als düstere Bestandsaufnahme. Sie erinnert vielmehr daran, dass jede Entwicklung zwei Seiten in sich trägt. Wo Macht missbraucht wird, kann Verantwortung wachsen. Wo digitale Räume entfremden, entstehen zugleich neue Formen der Verbundenheit. Wo der Mensch wertvolle Natur zerstört, entwickelt sich auch das Bewusstsein für ihren Schutz. Ernst Umann zeigt nicht nur Bedrohung, sondern auch Hoffnung. Seine Bildsprache eröffnet vielfältige Chancen für Einsicht, Umkehr und Menschlichkeit. Gerade in der Auseinandersetzung mit den Schattenseiten wird das Potenzial sichtbar, das im Menschen liegt: Vernunft, Mitgefühl und die Fähigkeit zur Veränderung.